Emergent Forum
Obwohl ich mich schon seit den Anfängen von Emergent Deutschland der Bewegung verbunden fühle, war ich bisher noch auf keinem der jährlich stattfindenden Foren gewesen. Einmal lag ich im Krankenhaus, ein anderes mal bekamen wir ein Kind und schließlich hatte ich Examen. In diesem Jahr hat es immerhin zu der Teilnahme an einem großen Teil der Veranstaltung gereicht. Einige Gedankenschnipsel noch dazu:
- der größte Gewinn für mich war, einige Leute treffen zu dürfen, die ich zum Teil seit Jahren über Blogs, Facebook u.a. kenne. Man ist fast schon irgendwie befreundet, aber hat sich noch nie getroffen. Ich war vorher gespannt, welcher Art diese Begegnungen sein würden. Letztlich war es überhaupt nicht merkwürdig, sondern einfach nur schön, auf einer schon geschaffenen Basis der Vertrauens diese Bekanntschaften vertiefen zu können. Ganz interessant fand ich, dass ich ganz besonders die Menschen sympathisch fand, mit denen ich mich auch schon online enger verbunden fühlte als mit anderen. Ich bin immer mehr davon überzeugt, dass unsere Online-Profile vielfach sehr nah an dem dran sind, was uns wirklich ausmacht. Meist hört man ja das Gegenteil, dass Online-identitäten Trugbilder aufbauen. In den letzten Tagen habe ich Gegenteiliges erlebt. - die Struktur des Forums hat mir sehr gefallen. Viel Gespräch, quasi keine Frontalbeschallung, fließende Übergänge zwischen Impulsen und Austausch. Ich hatte vermutet, dies würde mir gefallen. Es hat mir gefallen. Einige der Räume waren sehr liebevoll gestaltet. Das habe ich als echtes Geschenk empfunden. Aus den Gesprächen, aber auch aus der Erfahrung der knapp zwei Tage im Weigle-Haus nehme ich auch mit: Räume sind unwahrscheinlich wichtig. Und da bin ich einmal mehr froh, dass wir in unserer Landeskirche viele schöne Kirchen haben, die Gottesbegegnung ermöglichen. Nichts gegen freikirchliche Mehrzweckräume, aber ich mag kirchliche Räume. - die Teilnehmer des Forums sind sich in großer Offenheit und großem Respekt begegnet. Fremde Frömmigkeitsstile, Konfessionen u.ä. wurden sehr wertschätzend aufgenommen. Dennoch fand ich einmal mehr auffällig, dass doch der allergrößte Teil derer, die sich der Bewegung zugehörig fühlen, aus einem eher pietistisch-evangelikal geprägten Hintergrund kommen, den sie sich mehr oder weniger hinter sich gelassen haben (das kannte ich auch schon aus meiner Zeit in den USA). Viele der Themen waren wahrscheinlich auch auf diesem Hintergrund zustande gekommen. Noch auffälliger fand ich dies im Hinblick auf die persönlichen Beispiele innerhalb fast aller Diskussionsrunden. Diese Spannung ist nun allerdings gerade nicht die, die meinen Lebens- und Glaubensalltag ausmacht. Viele der ethischen oder theologischen Konflikte, in denen sich manch eine Freikirche oder ein (ehemals) evangelikal-geprägter Christ befindet, ist innerhalb meiner Kirche oder Gemeinde kein Konfliktfeld. Insofern war es manchmal schwer für mich, an manche Themen anzudocken. Gleichzeitig liegt hier für mich vielleicht ein Grund, warum innerhalb meiner Kirche das Interesse an der Bewegung doch sehr verhalten ist - die viel gelobte offene Gesprächsatmosphäre, die es auch erlaubt, beinahe Häretisches einmal zumindest zu denken; diese Offenheit ist seit langem Kennzeichen meiner Kirche. Woran meine Kirche leidet, ist ja viel mehr, in ihren Strukturen verkrustet und wenig flexibel zu sein. Damit wiederum haben viele Freikirchen nicht so sehr ein Problem. - sehr gefallen hat mir das liturgische Abendgebet am Freitag. Weniger konnte ich mit dem Stationen-Gottesdienst am Samstag anfangen. Da habe ich die Verbindung zum Rest des Forums nicht so recht gefunden und ich hatte zum Teil das Gefühl, dass die Anweisungen an den einzelnen Stationen mir zu viel vorgegeben haben. Innerlich bin ich da nicht immer mitgekommen. Zudem hätte ich es schön gefunden, Brot und Wein gereicht zu bekommen und das Mahl auch als Gemeinschaftsmahl zu feiern. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich dies als Bruch empfunden habe oder dies einfach eine Geschmacksfrage ist. Vielleicht war auch meine Aufbruchstimmung Teil meiner Schwierigkeit, mich auf diese Formen einzulassen. Sicherlich lag es nicht an der tollen Musik von kontemplatief. - ganz schön fand ich, dass ganz viele Personen beteiligt waren und das Forum trotzdem oder gerade deswegen sehr gut organisiert war. Soviel mal ein paar Gedankensplitter auch als Feedback an die Beteiligten.
